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30 Jahre für das Grüne Band

 

Fast 30 Jahre lang prägte Eeva Pulkkinen die Arbeit des 'Friendship Nature Reserve', einem einzigartigen Netzwerk von Naturschutzgebieten an der Grenze zwischen Finnland und Russland. Auf finnischer Seite umfasst es fünf Schutzgebiete mit insgesamt rund 290 Quadratkilometern zwischen Suomussalmi und Kuhmo. Das russische Gegenstück, das 1983 gegründete „Kostomuksha Nature Reserve“, erstreckt sich über 450 km² und wurde als Ausgleich für die Bergbauaktivitäten bei Kostomuksha eingerichtet. Obwohl das Netzwerk erst 1990 offiziell entstand, gab es laut Eeva bereits lange vorher Gespräche auf höchster politischer Ebene. „Hier wurde das Grüne Band also gedacht, bevor der Name überhaupt existierte.“

 

Nach dem Abitur entschied sich Eeva für ein Russisch-Studium mit Fokus auf Übersetzung. „Viele Firmen expandierten damals nach Russland, und ich hoffte, dort einen spannenden Job zu finden.“ Tatsächlich führte sie ihr Weg 1993 nicht in die Privatwirtschaft, sondern zur finnischen Forst- und Nationalparkbehörde Metsähallitus. „Ich startete als Übersetzerin und Guide im Besuchszentrum des Freundschaftsparks“, erzählt sie. „Vom Naturschutz hatte ich damals noch wenig Ahnung.“ Doch genau diese Übersetzertätigkeit machte Eeva sukzessive zur Expertin. „Ich tauchte in die verschiedensten Themen ein: von Natur und Tourismus über Geologie und Umweltbildung bis hin zu Wildtieren und der Planung von Besucherzentren. Ich war für Publikationen über die Forschung und Arbeit im Freundschaftspark zuständig und übernahm zunehmend inhaltliche Verantwortung.“

 

Ein Kernanliegen des Freundschaftsparks ist der Schutz des Waldrentiers (Rangifer tarandus fennicus), einer seltenen Unterart, die im russisch-finnischen Grenzgebiet beheimatet ist. Das Netzwerk ermöglichte zahlreiche gemeinsame Studien und Forschungsprojekte mit Wissenschaftler*innen aus beiden Ländern. Ende der 1990er-Jahre engagierte sich Eeva verstärkt in EU-finanzierten Projekten. „Ich war auch in anderen grenzüberschreitenden Naturschutzprojekten involviert und zeitweise im Auftrag meines Arbeitgebers als Beraterin für Naturschutzprojekte in Russland tätig“, berichtet sie. Rückblickend zieht sie eine positive Bilanz der Zusammenarbeit: „Es haben sich Freundschaften entwickelt, und wir konnten auch schwierige Themen offen ansprechen.“

 

Doch dann kam der 24. Februar 2022. Eeva erinnert sich genau: „Wir hatten ein Online-Meeting mit unseren russischen Kolleg*innen geplant. Zehn Minuten vor Beginn rief der Leiter des Naturschutzgebiets Kostomuksha an und bat um eine Verschiebung. Dieses Treffen fand nie mehr statt.“ Das gesamte Team war fassungslos. „Wir konnten es einfach nicht glauben. Und immer wieder diskutierten wir, ob all die 30 Jahre Arbeit für das Grüne Band umsonst gewesen waren.“ Eeva ist jedoch überzeugt, dass sie über die Jahrzehnte hinweg viel für den Naturschutz erreicht haben. Gelegentlich sendet sie ihren ehemaligen russischen Partner*innen noch E-Mails, etwa zu Geburtstagen oder Neujahr. Manchmal erhält sie Antworten, doch diese beschränken sich auf „Höflichkeitsfloskeln ohne Inhalt.“