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Zwischen Ranger-Leidenschaft und Crêpes-Verkauf

 

Wenn Aleksandar Stojanović über seinen Beruf als Ranger im Nationalpark Đerdap spricht, sprudeln die Worte vor Begeisterung nur so aus ihm heraus. „Das ist einer der besten Jobs auf der Welt“, sagt er mit Nachdruck. „Man ist jeden Tag draußen in der Natur, arbeitet mit Menschen zusammen - es ist eine zutiefst erfüllende, wunderschöne Aufgabe.“

 

Aleksandar ist in der Nähe seines Arbeitsplatzes in einer Kleinstadt am Rande des Nationalparks  aufgewachsen und schon als Kind durch die Wälder gestreift. Er kennt die spektakuläre, über 100 Kilometer lange Flussschlucht der Donau - die größte und längste Flussklippenlandschaft Europas - wie seine Westentasche.

 

Diese tiefe Verbundenheit spüren auch die Besucher. Längst ist Aleksandar als  Ranger kein Geheimtipp mehr: In Reiseführern wird er namentlich erwähnt, weil Touristen aus aller Welt von seinen Touren begeistert sind. Wenn er als Guide Gruppen durch das „Eiserne Tor“ führt, vermittelt er ihnen nicht nur Fakten, sondern lehrt sie, die wilde Schönheit des Nationalparks mit ganz anderen Augen zu sehen.

 

Traumberuf, der nicht zum Leben reicht

 

Doch die Realität hinter der Idylle ist hart. Der Nationalpark, der bereits 1974 gegründet wurde und dessen Verwaltung seit 1989 besteht, wird kaum vom Staat finanziert. Das Budget muss sich der Park mühsam selbst erarbeiten - etwa durch Holzarbeiten oder die Eintrittsgelder der Touristen. Für die Ranger bedeutet das: Das Gehalt ist niedrig. „Vom Idealismus kannst du dir kein Essen kaufen und deine Rechnungen nicht bezahlen“, gesteht Aleksandar offen.

 

Seine Frau arbeitet in einer Privatfirma, doch das gemeinsame Einkommen reicht nicht für die Familie mit zwei Kindern. Das Ehepaar vermietet privat Gästezimmer, und Aleksandar betreibt ein kleines Nebengewerbe. Im Sommer verkauft er abends Crêpes und Popcorn an Touristen. Er beschreibt seinen Alltag: „Von sieben Uhr morgens bis zum Nachmittag arbeite ich im Nationalpark. Nach einer kurzen Pause stehe ich ab sieben Uhr abends auf der Straße. Als die Kinder noch klein waren, brachten wir sie oft zu den Großeltern, damit wir Eltern Zeit zum Arbeiten hatten.“ Ein anstrengendes Leben, aber für Aleksandar der einzige Weg, um in seiner Heimat zu bleiben und seinen Traumberuf auszuüben.“

 

 

Geschichten vom Eisernen Vorhang

 

Die Donau, die hier die Grenze zu Rumänien bildet, ist heute ein Ort des Friedens, an dem Kreuzfahrtschiffe mit Gästen aus Deutschland und den USA anlegen. Doch Aleksandar erinnert sich noch gut an die Zeiten des Kommunismus, als der Fluss Teil des Eisernen Vorhangs war. Während Jugoslawien vergleichsweise offen war, war das Rumänien unter Diktator Ceaușescu komplett abgeriegelt. Auf den rumänischen Märkten gab es fast nichts zu kaufen. Aleksandar berichtet von Fahrten mit seinen Eltern mit dem Auto nach Rumänien, um Süßigkeiten zu verkaufen und im Gegenzug billige Waren einzukaufen.

 

Auch die dramatischen Fluchtgeschichten aus jener Zeit, von denen er immer wieder hörte, sind ihm im Gedächtnis geblieben. Viele Rumänen versuchten, schwimmend oder mit Booten über die Donau nach Jugoslawien zu fliehen.„Ich habe viele Geschichten über die armen Menschen gehört“, erzählt der Ranger.

 

Manche Flüchtlinge nutzten kleine Küchen-Gasflaschen als improvisierte Auftriebshilfe. Sie öffneten die Ventile, damit das Gas ausströmte und die leeren Flaschen als Auftriebskörper dienten. Doch oft verloren sie auf dem unberechenbaren Fluss die Kontrolle, die Flaschen gerieten unter Druck oder die Menschen ertranken im eiskalten Wasser. Ganze Familien verloren so im Fluss ihr Leben, erzählt Aleksandar.

 

Der Blick in die Zukunft

 

Für die Zukunft des Nationalparks hat Aleksandar einen klaren Wunsch: Die Finanzierung müsste, wie überall auf der Welt, direkt aus dem Staatsbudget kommen. Ein Nationalpark ist eine nationale Aufgabe, ein Erbe, das geschützt werden muss. Bis sich dieser Wunsch erfüllt, wird Aleksandar weiterhin tagsüber den Touristen die Wunder der Donau-Schlucht erklären - und abends auf der Straße stehen, um Crêpes zu backen.